Leseprobe aus dem Buch "Bello und Bella - Ein Tagebuch"

 

Bello – November 1983

 

Ich ging zum Friedhof, Sonnabendvormittag hatte ich Bello in den vergangenen Jahren meistens mitgenommen, aber es ist sehr anstrengend. Ich hatte etwa anderthalb Stunden auf dem Friedhof zu tun und kam nun zurück. Es fiel mir auf, daß Bello sich nicht meldete. Er sagte keinen Mucks, während er sich sonst fast überschlägt, auch wenn ich nur eine halbe Stunde weg bin. Er war auch nicht zu sehen. Ich kam nun dem Hause näher, und plötzlich kam er hinter dem kleinen Berg links von der Hütte hervor – lustig, wie ein Kasper, schelmisch mit glänzenden Augen. So hatte ich ihn noch nie gesehen und war sehr verwundert. Ich kam noch näher heran, und da sah ich, was los war. Susi, die schwarze Hündin von Sellingers, jetzt ausgewachsen, lag neben ihm und ließ sich von ihm beschmusen. Heiter, ausgelassen wie ein junges Mädchen, reizte sie ihn immer wieder, und Bello war liebestoll, es kam sogar zu einer Vereinigung. Susi sprang dann ab und zu in den Teich und tanzte völlig naß und erfrischt wieder vor seiner Nase herum. Ich sah es mir vergnügt mit an. Bello kam übrigens gleich auf mich zu und schien zu sagen: „Schimpf nicht.“ Ich forderte Susi immer wieder auf, nach Hause zu gehen, aber sie hatte keine Lust. Schließlich verschwand sie aufs Nachbargrundstück. Sie kam nun von dort immer wieder an den Zaun zu Bello. Und Bello sprang immer wieder zu ihr, soweit die Kette reichte. Schließlich blieb sie weg, und ich habe Bello, der am ganzen Leibe zitterte, beruhigt. Bello hatte also ein schönes Erlebnis mit Damenbesuch gehabt, während ich auf dem Friedhof war.

 

 

Bella – 31. März 1996

 

Ich habe am linken Knie einen Bänderriß und muß jetzt öfter zur Behandlung. Ich sage vorgestern leise vor mich hin: „Am Dienstag Behandlung, und dann fahre ich gleich zu Frau Doktor Drope.“ Bella rennt plötzlich wie eine Wilde durchs Zimmer, kraucht unter den Schreibtisch, unter den Fernsehtisch und weiß gar nicht, wo sie sich überall verstecken soll. Sie hat also aus dem Text „Frau Doktor“ herausgehört und war der Meinung, daß ihre Frau Doktor kommt. Ich versuchte, sie zu beruhigen. Aber die Angst in den Augen und das Zittern hielt noch eine Stunde an. Dabei zuckt sie nicht ein bißchen zusammen, wenn sie eine Spritze bekommt. Also, sie beobachtet und hört und versteht jedenfalls sehr viel. Das Wort „Frau Doktor“ darf ich gar nicht sagen, dann regt sie sich zu sehr auf.